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Kritische Töne
#11
Zitat: "Der Abtransport der Aerosole in Richtung der Ablufthauben soll über den Luftauftrieb der Wärme, die jede Person abgibt, funktionieren. Allerdings stört jede Luftbewegung z.B. durch sich bewegende Personen oder geöffnete Türen und Fenster dieses Funktionsprinzip. Dadurch gelangen die Aerosole nicht zu den Ablufthauben, sondern verteilen sich wieder im Raum."

Ja, und ohne den Einsatz einer solchen Anlage verteilen sich die möglicherweise virenbelasteten Aerosole während 20 Minuten chaotisch im Klassenraum, ohne in dieser Zeit irgendwo abgeführt zu werden. Werden nach 20 Minuten dann die Fenster geöffnet, sind vor allem die Personen in Fensternähe gefährdet. Nicht nur, weil sie der kalten Zugluft ausgesetzt sind, sondern auch, weil sie der möglichweise vollen Virenbelastung ausgesetzt werden, die während dieser Zeit im Klassenraum angesammelt wurde, und nun konzentriert Richtung offenes Fenster strömt. Beim Betrieb mit einer solchen Anlage besteht immer noch die Möglichkeit, daß Aerosole, die mit der Zeit von der Zimmerdecke, wo sie wegen der aufsteigenden warmen Luft wohl hauptsächlich angesammelt werden, in Richtung Boden "fallen" wollen, von einer der Absaugglocken geschluckt werden.

Anscheinend wird dieses System genau so kritisch betrachtet, als ginge es um eine Zulassung für den Markt, und man fragt für ein Prüfabzeichen an. Daß hier lediglich eine schnelle, und ganz sicher nicht wirkungslose Lösung für den bereits eingetretenen Winter vorgestellt wird, wird einfach ignoriert.

Und dann noch Brandlasten und möglicherweise ausdünstene Kunststoffe zu beanstanden: Ist denn sonst nichts Brennbares in vielleicht wesentlich größerer Masse im Klassenraum, und sind wirklich nur garantiert ausdünstungssichere Kunststoffe vorhanden? Ich möchte nicht wissen, was im Brandfall bei den ganzen Kopierern, Druckern und Computern freigesetzt wird.

Ganz nebenbei, nehmen die Zitierten überhaupt zur Kenntnis, daß die ständige Zugluft im Winter ganz sicher auch nicht gesundheitsfördernd für still sitzende Personen ist? Mal ganz abgesehen vom Komfort?

Ich fürchte fast, daß eine schnelle, günstige und vor allem unbürokratische Lösung heutzutage kaum noch möglich ist. Zuviele Köche dabei, die lediglich bezahlt werden, um nur eine Zutat in den Brei werfen zu dürfen. Und nur die dürfen das, und das nur unter ganz bestimmten Bedingungen.

Wenn der Brei mal endlich fertig werden sollte, ist der Winter schon längst vorbei... Dodgy
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#12
Es ist relativ einfach eine komplett neue Idee schlecht zu reden. Das habe ich in meiner Berufspraxis als Maschinenbauer allzuoft erlebt. Man muss eine neue Idee erst realisieren und zeigen, dass sie funktioniert - allerdings ist das in diesem Fall ja bereits geschehen...

Wenn die Fensterlüftung nur annähernd so kritisch durchleuchtet würde, dürfte das ein amüsanter Text werden. Alleine, dass jeder Raum anders ist und jeder Lehrer es aus den verschiedensten Gründen anders praktiziert macht es schwer diese Lösung als Allheilmittel dahinzustehen...

Hab ich das in dem Auszug oben richtig verstanden, die "Aufwinde" von 10 cm/s sollen um Faktor 10 zu gering sein? Die Luft steigt also tatsächlich mit 1 m/s über Schülern auf --> Propeller drauf und Energie gewinnen Smile
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#13
Entweder das, oder sie gehen von einem zehnfachen Volumen aus, das bewegt wird.
Leider habe ich über "den Auftriebsvolumenstrom oberhalb einer Person" nichts finden können, obwohl es ja schon lange zu den Grundlagen gehören soll. So kann man nur spekulieren.
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#14
Hallo,
hier der Link zu den kritischen Auseinandersetzungen mit unserem System. 
https://www.fgk.de/index.php/122-kritisc...etzung-mpi

Der Schlussatz der Kurzfassung lautet in Bezug auf unsere Anlage

Zitat:"Bereits mit einer konsequenten Umsetzung einer regelmäßigen Stoßlüftung gemäß der Lüftungsregeln des Umweltbundesamtes können wahrscheinlich bessere Luftwechselraten bei höherem Komfort erreicht werden. Für eine sichere, komfortable und energie-effiziente Lüftung von Klassenräumen sollten marktübliche raumlufttechnische Anlagen verwendet werden."


Da wiederspreche ich nicht, richtiges Lüften hilft gegen Infektionen, und wenn die Industrie schnell Klassenräume mit RLT-Anlagen ausstattet habe ich nichts dagegen.

Die Langfassung beschreibt die wirkenden Mechanismen sehr schön und kommt schließlich zum Schluss

Zitat:Grundsätzlich handelt es sich bei der beschriebenen Anlage um eine Abluftanlage, die auf dem lange bekannten Prinzip der Quelllüftung aufbaut. Aller-dings besitzen professionelle RLT-Anlagen Luftbehandlungsfunktionen, welche die Verdrängungsströmung auch unter veränderten Rahmenbedingun-gen aufrecht halten können. Mit solch professionellen Anlagen ist die gezeigte „Bastellösung“ keinesfalls zu vergleichen. Diese „Lösung“ ist nicht nachhaltig, da die gezeigte Installation nur wenige Wochen oder Monate halten wird und keine Energierückgewinnung verwendet wird."

Auch da möchte ich den professionellen Anlagen nicht im Wege stehen.

Leider hilft das nicht den Kindern(->Familien) die jetzt in der Schule sitzen und wo das Lüften dann doch vergessen wird oder nicht richtig möglich ist. Sad
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#15
Wir haben die Daten eines Aerosol Experiments von letztem Wochenende auf der Internetseite des MPIC verlinkt.
[Bild: original-1606927819.jpg]
Zu sehen ist der in Abrede gestellte direkte Effekt des Systems gegenüber schlechtem Lüften und Lüften mit gekippten Fenstern. Links ist die Feinstaubkonzentration im Klassenraum und rechts im Abluftsystem über einer Person zu sehen.
In dem experimentellen Setting wurden nach einer ersten Auswertung ca. 40% der primär emittierten Rauchpartikel direkt entfernt bevor sie sich im Raum verteilen konnten. 
Bzgl. der genannten Punkte gegen unsere Anlage arbeiten wir gerade an einer Stellungnahme, die wir dann auch gerne bereitstellen.
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#16
Zunächst einmal: Gut daß Ihr Euch "wehrt". Ich fand den Einwand der TU, daß das nicht Euer Fachgebiet sei, und daß Euch damit quasi jede Bewertung abzusprechen sei, sehr anmaßend. Immerhin haben sie ja später selbst behauptet, daß es schon Grundlagentheorie sei.

Und die Grafiken zeigen doch schon eine recht gute Effizienz. Interpretiere ich den Mittelteil der Zeitskala, den weißen Teil, richtig, daß dort jeweils nur 2 Unterlichter bzw. keines geöffnet wurde, und erst im rechten, dem blauen Teil, ein Querlüften erfolgte?

Dann würde die grüne Kurve ja tatsächlich beim anschließenden Querlüften lediglich ihrem natürlichen Trend folgen, während die 2 anderen erst dann einen scharfen Knick nach unten machen, bevor sie aber lange Zeit auf sehr hohem Pegel blieben. Dann dürfte schlechtes Lüften, was sicherlich in so manchen Räumen wg. Unkenntnis bzw. fehlender Möglichkeiten erfolgt, eigentlich ja gar keine Lösung sein.
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#17
Bis zum Stoßlüften wurde nichts an der Lüftung geändert. Wobei beim Stößlüften mit weit geöffnetem Fenster und geöffneter Zimmertür noch an der Gegenseite des Gebäudes ein Fenster aufgemacht werden musste, das hatten wir bei der ersten (grünen) Messung erst relativ spät gemacht.
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#18
Die Antworten auf die Kritiken auf der Internetseite des Fachverbands Gebäude Klima sind online zu finden unter
http://ventilation-mainz.de/ im Downloadbereich
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#19
gerade von Quarks gehört - das Brandolini Gesetz:

Brandolinis Gesetz lautet: “The amount of energy needed to refute bullshit is an order of magnitude bigger than to produce it.”
„Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert eine Zehnerpotenz mehr Energie als dessen Produktion. “

Q.E.D.
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